Hinweise zum Urban-Farming-Dach

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23.10.2019

Hinweise zum Urban-Farming-Dach

Von Jahr zu Jahr nehmen die Gründachflächen in Deutschland zu. Vor allem die doppelte Nutzung der Dachfläche mit Intensivbegrünungen rückt immer mehr in den Blickpunkt der Städteplaner. Je nach Anwendung, können intensiv genutzte Gründächer zur Steigerung der Biodiversität, zum Rückhalt von Regenwasser, als Rückzugsraum oder sogar zur Lebensmittelproduktion dienen.

Insbesondere letzteres, das Urban-Farming-Dach, nimmt eine immer wichtigere Rolle in der nachhaltigen Stadtplanung ein, da dadurch der Bezug zu lokalen Lebensmitteln gesichert wird. Durch ein Umdenken in der Bevölkerung zu einer nachhaltigeren Lebensweise versucht ein immer größer werdender Teil der städtischen Bevölkerung seine Lebensmittel aus der Region zu beziehen. In der Stadt sind die Räume aufgrund der hohen Flächenversiegelung für die Bewirtschaftung aber begrenzt. Die Dächer sind aber oftmals ungenutzt. Durch die Verwendung des Daches als Anbaufläche für Nutzpflanzen kann so die verloren gegangene Fläche nutzbar gemacht werden und gleichzeitig der kurzer Transportweg vom Lebensmitteln zum Verbraucher geschaffen werden.

Neben der Produktion von Lebensmitteln bieten Gründächer mit landwirtschaftlicher Nutzung aber noch weitere wichtige Vorteile. Indem die Menschen zusammenarbeiten, entsteht eine soziale Atmosphäre, die der eines Gemeinschaftsgartens ähnelt. Es schafft einen Ort sozialer Interaktion, erhöht das Gefühl der Eigenverantwortung und der Verantwortung für die Gemeinschaft. Die Pflanzenpflege kann von jedem durchgeführt werden, egal welches Alter oder welchen sozialen Hintergrund diese Person hat. Dadurch wird gleichzeitig Umweltbildung geschaffen, welche in der Stadt vor allem bei der jüngeren Bevölkerung immer geringer wird.

Urban-Farming-Dächer gibt es in verschiedenen Formen. Angefangen bei einfachen Gründächern mit ein paar Bienenkästen zur Honigproduktion, über die Privatnutzung, ähnlich des ebenerdigen Strebergärten, bis hin zu großflächiger Gewerbenutzung für die regionalen Märkte sind praktisch keine Grenzen gesetzt.

Natürlich gilt es wie bei jedem Gründach zunächst einige Kriterien zu klären. Ist die Statik für die intensive Nutzung ausreichend? Es fallen nicht nur die Lasten für das Gründach selbst an, sondern ebenso Lasten für die Begehung und eventuelle Punktlasten für Geräte, Gefäße, Unterstände oder Gewächshäuser. Wie schaut die Absturzsicherung aus? Eine ausreichend hohe Attika oder besser noch ein Geländer ist für ein intensiv genutztes Dach zwingend notwendig!
Diese und weitere Fragen müssen vor der Anlage des Gründaches geklärt sein. Bei Urban-Farming-Dächern sind des Weiteren ein ordentlicher Zugang zum Dach, der entsprechende Gründachaufbau und natürlich die richtige Nutzpflanzenauswahl in Abhängigkeit des Gebäudestandortes zu klären. Dabei gilt es besonders auf Verschattungen, die Windverhältnisse und die Temperaturen auf dem Dach zu achten. Gerade die Substratstärke spielt für die Pflanzenauswahl eine wichtige Rolle. Beispielsweise benötigen Kräuter und Walderdbeeren nur 10 bis 15 cm Substrat, Feldsalat, Zwiebeln, Zucchini und Melonen schon 20 bis 25 cm Substrat und Tomaten, Bohnen oder Brom- und Johannisbeeren circa 40 cm
Substrat. Sollen Obstbäume angepflanzt werden, ist die Substratschicht dementsprechend bis zu 100 cm zu erhöhen.

Werden diese Bedingungen erfüllt, steht dem Nutzpflanzenanbau auf dem Dach, inmitten der Stadt, nichts mehr entgegen. So wird der Obst- und Gemüseanbau erlebbar und fördert neben der gesunden und bewussten Ernährung auch das Miteinander und schafft soziale Netzwerke.
Autor M.Sc. Felix Mollenhauer,
Bundesverband GebäudeGrün e.V.

 

 

Bildquelle: BuGG 


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